Östlich des kleinen Gutnachtales liegt der Iltisberg, an dessem Rande sich der Burgstall von Herretshofen befindet. Die Burganlage war von drei Seiten durch einen Graben zum Hinterland geschützt. Lediglich im Norden ist der Burgberg steil abfallend. Der Graben sowie Wallanlagen sind noch sehr gut zu erkennen. Im Südosten der Anlage befindet sich die Zufahrt über den Graben zur Burg.

 

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Das Burgplateau mit Wallanlage in Richtung Süden und Westen.

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Ebenfalls das Burgplateau,mit der Wallanlage in Richtung Osten.

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Östliche Wallanlage mit vorgelagerten Burggraben.

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Die ursprüngliche Zufahrt zur Burganlage.

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Südlicher Burggraben.

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Westliche Burggraben.

 

Im Tal des Haselbaches liegt die Unterallgäuer Gemeinde Kirchhaslach. Am östlichen Hang des Tales befindet sich ein Burgstall. Die Burganlage war in eine Haupt- und in eine kleine Vorburg untergliedert. Getrennt wurden diese beiden Bereiche durch einen Graben. Die Zufahrt zur Anlage erfolgte vermutlich über eine Brücke von ostwärts her. Südlich und westlich wurde die Burg ebenfalls durch einen tiefen Graben geschützt. Lediglich im Norden war höchstwahrscheinlich kein Graben vorhanden, da der Hang dort ziemlich steil abfällt. Das Plateau der Hauptburg ist durch Abgrabungen sehr stark in Mitleidenschaft gezogen worden.

Am Fuß des Burgberges befindet sich eine Lourdesgrotte aus dem Jahre 1890.

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Blick von der Vorburg über den Graben auf das Plateau der Hauptburg. Links im Bild der südliche Graben.

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Blick vom Graben auf den Burgberg.

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Der südliche Graben.

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Das Plateau der Hauptburg.

 

 

Im Süden der Stadt Burgau, ungefährt dort, wo sich heute die Häuser der Graslitzer und Plattener Straße befinden, entstand in den letzten Monaten des Zweiten Weltkriegs ein Außenlager des KZ Dachau. Das damals weitgehend unbebaute Gebiet wurde von der Verwaltung der Messerschmitt AG seit 1944 genutzt. Die ersten Häftlinge, etwa 120 Männer, trafen am 11.02.1945 in Burgau ein und bereiteten ein ca. 36 000 Quadratmeter großes Areal für die Nutzung als Konzentrationslager vor. Dieser bestand Anfang März aus 14 grau gestrichenen Baracken, separiert in Bereiche für männliche und weibliche Insassen. Umgeben war das Lager von Stacheldraht und von Wachttürmen mit Maschinengewehrposten.

Den Bahnhof Burgau erreichten am 03. und 04.03.1945 zwei Züge. Sie transportieten 1000 ungarische und polnische Jüdinnen - 498 Häftlinge aus dem KZ Bergen-Belsen und 480 aus Ravensbrück. Die Frauen machten im Vergleich zu den männlichen Häftlingen also die Mehrzahl im Lager aus. Als sie eintrafen, hatten die Jüdinnen einen wochenlangen Transport in Viehwaggons hinter sich, den sie fast ohne Nahrung überstehen mussten. Einige der Frauen überlebten die Fahrt deshalb nicht. Bereits nach wenigen Wochen, am 12. oder wahrscheinlich am 24.04., wurde das Lager evakuiert. Es war vorgesehen, die Häftlinge per Eisenbahn nach Kaufering zu verlegen. Da eine Aufnahme nicht möglich war, fuhr der Zug weiter bis nach Türkheim. Von dort aus lief ein Teil der geschwächten Gefangen 60 Kilometer bis nach Allach bei München. Auf diesem Todesmarsch starben etwa 60 Häftlinge.

Im Konzentrationslager Burgau soll es nach Aussagen der Häftlinge keine Tötungen gegeben haben. Auch der hiesige Arzt, Dr. Karl Schäffer, der die Leichenschau der Häftlinge vornahm, ging davon aus, dass die Jüdinnen den Spätfolgen der Zugfahrten nach Burgau zum Opfer fielen. Von den 18 dokumentierten Todesfällen im Lager ereigneten sich acht innerhalb der ersten Woche nach Ankunft in Burgau, vier sogar bereits am 04. und 05.03.1945. Im Monat April hingegen kein einziger. Ansonsten fällt eine Häufung von Unterernährung, Mangelerscheinungen und Herzmuskelschwäche bei den Todesursachen der Häftlinge auf.

Die 18 dokumentierten Toten sind auf dem jüdischen Friedhof in Ichenhausen beigesetzt. Dies war eine Notlösung: Die für die Bestattung vorgesehene Wiese an der Gemarkungsgrenze zu Scheppach war wegen Grundwasser dafür nicht geeignet. Der Alternativvorschlag der Stadt Burgau, ein Waldstück in der Nähe der Reichsautobahn zu nutzen, wurde behördlich nicht genehmigt.

Nach Kriegsende waren im ehemaligen Konzentrationslager für einige Monate etwa 1500 Jugoslawinnen und Jugoslawen untergebracht. Bis zum April 1946 wurden dort kriegsgefangene SS-Angehörige interniert und anschließend ca. 800 Angehörige der "Russischen Befreiungsarmee", die im Zweiten Weltkrieg an der Seite Deutschlands gekämpft hatten. Bis zum Sommer 1948 bewohnten schließlich Flüchtlinge und Heimatvertriebene das Lager. Im Jahr 2011 wurde in Burgau, nicht unweit des früheren Areals, ein Gedenkstein errichtet.

 

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Ungefährer Standort des KZ Burgau.

 

 

Quelle:

Buch "Ende des Schreckens" 2019

Mit einer alten Fotografie begann 70 Jahre nach Ende des 2. Weltkriegs eine ungewöhnliche Spurensuche im Augsburger Land. Die etwas unscharfe Aufnahme zeigt mehr als ein Dutzend Leichen in einem Fichtenwald. Die teilweise unbekleideten und ausgemergelten Körper sind auf dem Boden nebeneinander abgelegt worden. Im Vordergrund ist deutlich ein Arm mit abgeknichter Hand zu erkennen, im Hintergrund eine Holzbaracke. Handelt es sich um ein Gebäude des geheimen Waldkwerks Kuno und damit um Zwangsarbeiter oder jüdische Häftlinge, die dort ausgebeutet wurden?

Im Scheppacher Forst, zwischen Zusmarshausen und Burgau befand sich das geheime Waldwerk Kuno. Geschützt vor den feindlichen Aufklärern bot der Forst zwischen Zusmarshausen, Scheppach und Burgau mehrere Vorteile: Das Gebiet ist wegen des dichten Baumbestandes von oben kaum einsehbar. Durchschnitten wird es nur von der Autobahn. Die Betonpiste war wichtig: Über sie konnten die Flugzeug-Bauteile schnell und in großer Stückzahl angeliefert werden. Gleichzeitig diente die Reichsautobahn als Startbahn für die Me 262. Auch über den Bahnanschluss in Burgau wurden Bauteile angeliefert.

Die Reaktion der Nationalsozialisten auf die alliierten Bombenangriffe ab 1944 gegen deutsche Industrieziele und Städte hatte einen Namen: Jäger-Programm. Schnell und mit allen Mitteln sollten Jagdflugzeuge in hoher Stückzahl gebaut werden, um die feindlichen Bomber vom Himmerl zu holen. Die in kurzer Zeit konstruierte Me 262 galt als "Wunderwaffe", die eine Kriegswende herbeiführen sollte.

 

Der Name "Kuno":

Die Firma Kuno fertigte für die Messerschmitt AG, die bis vor den Bombenangriffen vor allem in Augsburg und Regensburg produziert hatte. Danach wurde die Rüstungsindustrie verlagert - sie fand dann überwiegend in Waldwerken, in Tunnels oder in Stollen statt. Das Kuno-Waldwerk bei  Zusmarshausen hatte auch den Tarnnamen Kiesweg II. Kiesweg I lag bei Leipheim. Ende April 1944  zerstärten US-Bomber den Fliegerhorst Leipheim - das war vermutlich der Startschuss für das zweite Kuno-Werk bei Zusmarshausen.

Die Pläne

Nachdem alliierte Bomber die Werke des Augsburger Flugzeugherstellers Messerschmitt zerstört hatten, wurde ab 1944 die Produktion des Düsenjägers Me 262 zunehmend ausgelagert. Als geeigneter Ort für die Endmontage der vermeintlichen Wunderwaffe erschien den Nationalsozialisten der weitläufige Scheppacher Forst. Versteckt vor neugierigen Blicken entstand dort binnen weniger Monate eine primitive Produktionsstätte. Damit die Alliierten das Waldwerk aus der Luft nicht entdecken konnten, wurden zwischen den Fichten Tarnnetze gespannt.

Der Bau

Ab der zweiten Jahreshälfte 1944 bauten Zwangsarbeiter das Waldwerk auf. Darauf lässt eine "Aufstellung über die im Lager Burgau untergebrachten Ostarbeiter" schließen. Aufgeführt sind 39 Namen: Überwiegend Männer im Alter zwischen 16 und 53 Jahren. Vermutlich waren es aber mehr Arbeitskräfte, die "Kuno" aus dem Boden stampfen mussten und dabei Erde bewegten, Rohre und Stromkabel verlegten und Holzbaracken aufbauten.

Die Anlage

Herzstück des Waldwerks war eine große Holzhalle und eine lange Montagegrube. Es gab außerdem eine Kantine, Lagerbaracken, ein Vorfeld für den Probelauf, einen Schießstand sowie eine Kompensierscheibe, mit der die Bordkompasse der Flugzeuge justiert wurden. Sehr genaue Erinnerungen hatte der Zeitzeuge Richad Käßmair aus Zusmarshausen, der als Elektriker im Waldwerk und im KZ Burgau arbeiten musste:"Das Werk war nur behelfsmäßig fertiggestellt, so dass man arbeiten konnte aber man konnte noch keine Maschinen starten, man brauchte erst eine Startbahn. So wurde die Autobahn vom Waldende in Richtung Burgau, wo es auf die Ebene hinausgeht, in der Mitte betoniert".

Die Wachen

Nach einer Aufstellung des KZ Dachau arbeiteten im Außenlager Burgau und damit auch im Waldwerk 31 Wachleute. Lagerleiter in Burgau war Johann Kullik. Er wurde nach dem Krieg zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. Ein SS-Wächter namens Johann Batoha erhielt zwei Jahre. Häftlinge erinnerten sich auch an eine Aufseherin. Sie soll mit einem Knüppel aus Kuno-Drähten zugeschlagen haben.

Die Düsenjäger

Mit der Me 262 wurde ein neues Zeitalter der Luftfahrtgeschichte eingeläutet: Sie war der erste in Serie hergestellte Düsenjäger der Welt. Mit pfeilförmigen Flügeln erreichte die Maschine eine Geschwindigkeit von 870 Stundenkilometern und war damit allen anderen Flugzeugen der damaligen Zeit überlegen. Dafür verantwortlich waren zwei Stahltriebwerke. Die Me 262 war eigentlich von Ingenieur Willy Messerschmitt als Abfangjäger konstruiert worden, musste dann aber auf Adolf Hitlers Wunsch zum Schnellbomber umgerüstet werden. Damit verlor das Düsenflugzeug seine Geschwindigkeit und seine Flugeigenschaften. Die Prototypen entstanden in Augsburg, der erste strahlgetriebene Flug fand 1942 auf dem Fliegerhorst in Leipheim statt.

Die Produktion

Wie viele der Me 262-Maschinen im Waldwerk Kuno entstanden sind, ist nicht genau geklärt. Die Erinnerungen von Werner Krebs, der als junger Mechaniker kurzzeitig 1945 in der Anlage war, geben jedoch Hinweise auf den Umfang der Produktion. Demnach seien zunächst einige fertig gestellte Flugzeuge auf Lastwagen ins Waldwerk nach Leipheim gebracht worden weil es keinen Treibstoff mehr gegeben hatte. Krebs: "Als wir Burgau wegen der anrückenden US-Armee verlassen mussten, blieben etwa 30 bis 40 flugbereite und munitionierte Me 262 im Wald zurück".

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Auf dem Gelände sind mehrere Info-Tafeln errichtet worden.

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Im Hintergrund sehen wir die Überreste der Kantine.

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Die ehemalige Montagegrube.

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Ein Modell einer Me 262.

 

Quelle:

Buch "Wunderwaffe aus dem Wald", 2. Auflage

Informationstafeln vor Ort