Nördlich und südlich des kleinen Ebershauser Ortsteils Waltenberg, versteckt im Wald der Fluren Grünau und Grafengehau, finden sich viele Spuren der lang vergangenen Kultur der Kelten.

Umgangssprachlich werden diese Orte oft als Keltengräber bzw. Keltenschanzen bezeichnet. Nimmt man es genau stammen die Überreste aus der Laténezeit und der Hallstattzeit. Ab der späteren Hallstattzeit spricht man von den Kelten. Die Gebräuche und Gewohnheiten der Kelten zu verstehen fällt uns heute besonders schwer da es von den Kelten keine schriftlichen Überlieferungen aus ihrer Zeit gibt. Die Kelten kannten schlichtweg keine Schrift. Erst die Römer und Griechen lieferten schriftliche Erkenntnisse um dieses sagenumwobene Volk. Diese Schriften und die Ausgrabungen in jüngerer Vergangenheit lassen einige Schlüsse auf die Lebensgewohnheiten aus diesen Epochen zu.

 

Übersicht der Bodendenkmäler rund um Waltenberg:

bodendenkmaeler waltenberg 

1. Grabhügel der Hallstattzeit

2. Grabhügel der Hallstattzeit

3. Viereckschanze der jüngeren Latènezeit

4. Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung

5. Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung

6. Viereckschanze der jüngeren Latènezeit

7. Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung

8. Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung

9. Grabhügel der Hallstattzeit

10. Grabhügel vorgeschichtlicher Zeitstellung

11. Viereckschanze der jüngeren Latènezeit

12. Viereckschanze der jüngeren Latènezeit

13. Mittelalterlicher Burgstall

© Landkarte und Informationen: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

 

Abgesehen vom Bodendenkmal des mittelalterlichen Burgstalls in Waltenberg stammen alle Bodendenkmäler aus den oben angesprochenenen Epochen.

Laut dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege sind die Grabhügel geringfügig älter wie die Viereckschanzen oder deren alter konnte nicht eindeutig belegt werden (vorgeschichtliche Zeitstellung). Eine Bestimmung des Alters lässt sich oft nur durch Funde und einer C14-Datierung (Radiokarbonmethode) feststellen.

 

Die Viereckschanzen

Bei der Bedeutung der Viereckschanzen gehen heute noch die Meinungen auseinander. Es gibt die Meinung, dass es sich bei den Schanzen um kultische Objekte für religiöse Kulthandlungen oder Heiligtümer handelt. Die andere Meinung, und nach neueren Ausgrabungen scheint sich diese eher zu bestätigen, handelt es sich bei den Viereckschanzen durchaus um befestigte Wohnbereiche.

Diese Wohnbereiche enthielten sowohl mögliche "Tempel" aber auch profanere Gebäude.

In Bayerisch-Schwaben ist leider nur die Keltenschanze in Beuren (bei Pfaffenhofen a. d. Roth) ausführlich archäologisch untersucht worden. Die Keltenschanzen rund um Waltenberg wurden nie archäologisch untersucht.

Bei den Ausgrabungen in Beuren wurden Wohnhäuser wie auch Häuser und Gruben für Vorräte gefunden. Ebenso gibt es eindeutige Beweise für einen imposanten Torbau und eine befestigte Wallanlage. Die Eingänge der Vireckschanzen lage immer im Osten, Westen oder Süden. Nie im Norden.

Die Schanzen rund um Waltenberg trennen nur 20km Luftline von der Schanze in Beuren, man kann also davon ausgehen dass sich die jeweiligen Bewohner gekannt haben. Ebenso wird vermutet, dass die Anlage in Beuren nicht von den dortigen Bewohnern alleine gebaut werden konnte. Die Dimensionen der Beurer Schanze sind nämlich um ein vielfaches größer wie die der "Waltenberger Schanzen". 

Geländerelief der Schanzen Nr. 3 und Nr. 6

gelaenderelief 1 2

© Landkarte: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Geländerelief der Schanze Nr. 11

gelaenderelief4

© Landkarte: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Geländerelief der Schanze Nr. 12

gelaenderelief3

© Landkarte: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

 Bild der Schanze Nr.12, durch die heute ein Weg führt.

IMG 20210404 WA0006

Die Grabhügel

Die meisten Grabhügel befinden sich in der Flur Grünau. Auf unserer Karte ist dies die Nr. 9. Von den ursprünglich 13 Hügelnd sind jetzt nur noch 7 Hügel erhalten. Diese Grabstätten stammen aus der Zeit von 620-450 v. Chr. und wurden in den Jahren 1836, 1843, 1865, 1866 und 1868 geöffnet. Es ist bekannt das in den Gräbern "reiche Funde" gemacht werden konnten. Es soll sich dabei um Urnen, Bronzeringen, Ton- und Glasperlen sowie Bernstein gehandelt haben. Ebenso soll ein Eisendolch, ein Ring aus Goldblech und ein sog. Regenbogeschüsselchen gefunden worden sein. Die Ausgrabungen führte ein gewisser Franz Baader durch.

Aufgrund der Funde aber auch die Zeit aus der die Hügelgräber stammen kann davon ausgegangen werden, dass es sich hier um Brandbestattungen handelt. Dies war zu dieser Phase der Hallstattzeit und vorallem auch im Gebiet bayerisch Schwaben so üblich.

Die Bilder zeigen zwei der Hügelgräber aus Feld Nr. 9. Deutlich zu erkennen sind die horizontalen Grabungsspuren. 

IMG 20210404 WA0010

IMG 20210404 WA0011

Gedanken und Mutmaßungen

Folgende Karte zeigt die bekannten Keltenschanzen im Umkreis von 25km, vorallem die, die nördlich von Waltenberg gelegen sind.

Ebenfalls auffallend dass es um Waltenberg gleich zu einer Konzentration von vier Schanzen kommt (grüner Kreis).

keltenschanzen umgebung

© Landkarte: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege

Baugeschichte:

Die spätestens im 13. Jahrhundert von den Grafen von Kirchberg erbaute Burg kaufte 1338 der Ulmer Amman Konrad von Weißenhorn, der sie 1344 an den Ulmer Amman Peter Ströliln verkaufte; in dessen Streit mit den Ullmer Bürgern brannten diese 1344 die Burg nieder, Ströhlin aber stellte sie wieder her. 1377-1743 war die Burg im wechselnden Besitz von Ulmer Patrzizierfamilien, meist Mitgliedern der Familie Ehinger. 1746 verkaufte der Augsburger Bischof als Lehensherr die Burg an die Karthause Buxheim. Nach dem Brand von 1756 verfiel die Burg allmählich und wurde nach 1803 von den Bauern abgetragen. Nur den spätmittelalterlichen "Römerturm" rettete Pfarrer Kerker von Holzheim, indm er ihn einem Neuhauser Bauern abkaufte und dem Historischen Verein von Schwaben und Neuburg schenkte, dem die Ruine bis heute gehört.

Beschreibung:

Der ovale Berghügel erstreckt sich westlich vom Ort etwa in Ost-West-Richtung. Die Hänge sind künstlich bearbeitet. Zwei Terrassen übereinander umziehen konzentrisch die oberste Anhöhe, auf deren Plateau die eigentliche Burg stand. An der flachen abfallenden Nordseite, westlich der ehemaligen Einfahrt, ist auf der zweiten (oberen) Terrasse noch ein Stück Wall mit Graben dahinter erhalten, sonst sind die - wohl ehemals an allen Seiten vorhandenen - Wälle und Gräben eingeebnet. 1831 waren noch Teile der Graben- und der Zwingermauer sichtbar. Auf Raisers Plan (siehe Bild unten) sind auch noch die - heute völlig eingeebneten  - Spuren der Burganlage auf dem obersten Plateau eingetragen. Demnach war die Gesamtanlage ein gestrecktes Rechteck, dessen kleineren, östlichen Teil das Hauptgebäude einnahm, während im Westen die Nebengebäude auf drei Seiten einen Mittelhof umschlossen. An den vier Ecken der Anlage sind Aufschüttungen für runde Türme angegeben. Ein Ölgemälde im Schloss Neubronn (siehe Bild unten) zeigt die Burg vor ihrer Zerstörung von Südosten: das Hauptgebäude im Untergeschoss massiv mit hochgelegenen Fenstern, Obergeschoss und Giebel in schlichten Fachwerk, Halbwalmdach, keine Ecktürme. Den Hof im Westen umgeben Nebengebäude im Norden und Westen und eine Mauer im Süden, an den beiden westlichen Ecken runde Türme. Der erhaltene, auch bei Raiser als einziger baulicher Rest angegebene Turm steht etwa in der Mitte der Nordseite westlich neben der Einfahrt und war, nach Raisers Grundriss, mit der Längsmauer durch ein kurzes Mauerstück, dessen Ansatz am Turm noch sichtbar ist, verbunden. Der Turm ist etwa 9-10 m hoch, zylindrisch, unten aus Kalksteinquadern, sonst in einem aus Backstein, Tuffquadern und Bruchsteinen gemischten, außen (modern) dünn verputztem Mauerwerk. Vermutlich stammt er aus dem späteren 15. Jahrhundert. An der Südostseite Ansätze zweier Mauern im rechten Winkel zueinander, darunter große Lücke im Mauerwerk, wohl in Erweiterung einer Tür, oben im Winkel zwischen den Mauern Rundbogenfenstern. Die Außenseite des Turms durch drei schmale, gemauerte Lisenen gegliedert, die oben durch einen Kielbogenfries (je 3 Bogen auf eine Achse) verbunden sind. In den vier Achsen, von den Maueransätzen ab nach Westen im Uhrzeigersinn gezählt, befinden sich: in der 2. unten und oben eine Schaufelscharte, in der 3. unten eine kleine Hochrechtecköffnung, darüber eine erweiterte Scharte, in halber Höhe ein eingemauertes, schräges Wappenschild, oben eine Schaufelschafte, in der 4. Achse oben eine kleine Stichbogenöffnung.

Der Burgstall liegt auf dem Buschelberg südöstlich von Schalkshofen, am östlichen Höhenrand des Roth-Tales. Früh- oder hochmittelalterlich. Das abgerundete Ende einer Bergzunge ist durch einen tiefen Halsgraben von der anschließenden Hochfläche herausgeschnitten; ringsum an den Hangseiten Terrassen in Fortsetzung des Grabens. Im Nordwestteil des Plateaus etwa runde Mulde (von Materialaushub oder ehemaligen Turmfundament?).

Oberroth

Blick von Westen auf den Burgberg.

Oberroth1

Halsgraben zur östlichen Hochfläche.

Oberroth3

Materialaushub oder ehemaliges Turmfundament?

Oberroth4

 

Quelle:

Heinrich Habel - Landkreis Illertissen

Der Burgstall liegt auf einer Bergzunge, dem sogenannten Schlossberg südöstlich oberhalb der Kirche. Etwa dreieckiges Plateau, auf der Ostseite durch tiefen Halsgraben von der Hochfläche abgetrennt. Der Graben läuft im Norden zum Ort hin aus; im Westen und Süden Steilhang. Auf der östlich anschließenden Hochfläche großes, etwa trapezförmiges Plateau (ehemalige Vorburg) mit ansteigenden Rändern, am östlichen Ende flacher Graben.

Die Burg gehörte der Tradition nach den Grafen von Marstetten, etwa seit dem mittleren 12. Jahrhundert den sich ebenso nennenden Herren von Neuffen, die durch Heirat die Grafschaft geerbt hatten (1170 Berthold von Neuffen auf Buch erwähnt) und in der 2. Hälfte des 13. Jahrhundert ihren Sitz in Weißenhorn nahmen. Die Herrschaft Buch teilte das Schicksal der Herrschaft Weißenhorn: sie fiel 1342 nach Aussterben der Herren von Weißenhorn an Bayern, das sie lange verpfändete (u. a. 1376-1473 an die Rechberg), wurde 1504 von Kaiser Maximilian I. in Besitz genommen und 1507 an Jakob Fugger verpfändet, seitdem fuggerisch. Die Burg brannte im 15. Jahrhundert aus; Herzog Ludwig der Reiche von Bayern-Landshut schickte um 1473 Baumeister zur Besichtigung des Burgstalls, doch erfolgte kein Wiederaufbau. Zum Bau des Kapuzinerklosters in Weißenhorn 1667 schenkte Graf Albert Fugger eine Menge Steine von der Ruine, die noch auf dem rechten Seitenaltarbild von 1715 in der Bucher Pfarrkirche abgebildet ist.

 buch

Blick auf den Burgberg von Süden.

Buch1

Tiefer Graben zwischen Haupt- und Vorburg.

Buch2

Blick vom Plateau der Hauptburg in den Graben zur Vorburg.

Buch3

Plateau der Hauptburg.

Buch4

 

 

 

Quelle:

Heinrich Habel - Landkreis Illertissen